Pressemitteilung 2008

Pressemitteilung

 

Philatelietag/Großtauschtag 2008

9. März 2008 – VHS Neuwied „Die Brücke“

 

70 Jahre Reichspogromnacht

- Neuwied am Rhein -

 

Zu den ersten Familien, die in Neuwied siedelten, gehörte bereits eine jüdische Familie. Unter dem Schutz des Fürstenhauses wuchs die Zahl der Juden, so dass 1740 auf Drängen des Fürsten die jüdische Gemeinde gegründet werden konnte. Im August 1748 wurde die barocke Synagoge, die Vorbild für mehrere Synagogen im Rheinland war, in der heutigen Synagogengasse eingeweiht. Ihr Umbau Mitte des 19. Jahrhunderts wurde mit einem Ball für alle Neuwieder gefeiert. Gegen Ende des Jahrhunderts wurde der Synagoge eine große jüdische Schule angefügt. An Synagoge und Schule erinnert ein Mahnmal.

 

Im Jahr 1930 gab es in Neuwied, das nie ein Ghetto hatte, 69 jüdische Geschäfte: Metzgereien, Viehhändler, zwei große Kaufhäuser, ein Weinhandel, ein Schuhgeschäft, Haushaltswaren- und Bekleidungsgeschäfte sowie 50% aller Textilgeschäfte. In der Reichspogromnacht wurde die Synagoge zerstört, entweiht und geplündert, so dass sie später abgerissen werden musste. Der Schulbetrieb wurde faktisch eingestellt; die Schule hatte in den 1980er Jahren der Verkehrsführung zu weichen.

 

Laut einer NS-Akte wurden in der Pogromnacht 38 jüdische Häuser, meist Geschäfte, demoliert; 18 jüdische Bürger wurden im Anschluss in „Schutzhaft“ genommen und erst am 29.November wieder entlassen. Der Metzgermeister Ferdinand Levy wurde so schwer zusammengeschlagen, dass er am 14.November starb. An der Stelle seines früheren Hauses erinnert eine Tafel an dieses Verbrechen.

 

In mehreren Schüben, deren letzter und größter 1942 war, wurden die Neuwieder Juden, die nicht geflohen waren, deportiert. Ihr Besitz wurde zum städtischen Bauhof gebracht, wo sich Bürger bedienen konnten. Der Rest wurde monatelang entlang des Deiches in großen Containern gelagert. Die Zahl der im Holocaust ermordeten jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger kann nicht exakt bestimmt werden; es waren mindestens 300 Personen.

 

Der Deutsch-Israelische Freundeskreis Neuwied ist dabei, vor ihre ehemaligen Wohnhäuser „Stolpersteine“ in mahnendem Gedenken an das Schicksal jedes einzelnen Opfers zu verlegen.

 

Der Verein hat zum Jubiläum wieder zwei Ganzsachen herausgegeben und einen zum Thema passenden Sonderstempel beantragt.

Der Ganzsachenbrief zeigt die Abbildung des Altars der ehemaligen Neuwieder Synagoge.

 

Für die Gestaltung der „Pluskarte“ wurde die Reproduktion einer Ansichtskarte ausgewählt, die die Synagoge und die Schule in der Engerser Strasse zeigt.

 

 

Neben Philatelietag und Großtauschtag mit überregionalen Händlern, wird eine Briefmarkenausstellung der „offenen Klasse“ präsentiert.

Weitere Informationen zur Veranstaltung erhalten Sie bei den Briefmarkenfreunden Neuwied:

Vorsitzender

Karl-Heinz Korn

An der Liebfrauenkirche 61

56564 Neuwied (Tel. 02631/24715)  od.

Ausstellungsleiter

Jürgen Glahé

Hinter dem Backhaus 1

56218 Mülheim-Kärlich (Tel. 02630/1339)