Philatelietag stößt auf riesiges Interesse (Bericht der Rheinzeitung vom 08.03.2010)

Briefmarkenfreunde lagen mit ihrem Thema "Erste Eisenbahn auf Schienen aus Neuwied" goldrichtig

NEUWIED. "Unser Thema war ein genialer Streich." Hochzufrieden registrierte Jürgen Glahé, Vorsitzender der Briefmarkenfreunde Neuwied, den brechend vollen Amalie-Raiffeisen-Saal in der Volkshochschule Neuwied. Glahé und seine Mitstreiter hatten zum Philatelietag/Großtauschtag 2010 geladen und mit dem Thema genau den Nerv der Sammlergemeinschaft getroffen: "175 Jahre erste deutsche Eisenbahn - auf Schienen aus Neuwied" hieß das Thema, das Themensammler aus ganz Europa an den Deich lockte.

Gelungene Überraschung

"Alle Eisenbahn-Sammler haben runde Augen gemacht, denn keiner wusste, dass die ersten deutschen Schienen hier aus Neuwied kamen", freute sich Glahé über die gelungene Überraschung. Aus den europäischen Nachbarländern kamen schon im Vorfeld des Philatelietages etliche Anfragen, und jeder wollte die beiden Ganzsachen mit den Abbildungen des damaligen Schienenaufbaus (passend zum Sonderstempel) sowie der berühmten ersten Lokomotive "Adler" und den passenden Sonderstempel des Sonderpostamtes ergattern.

"Der Laden ist voll, das Interesse riesig - was wollen wir mehr?", lautete dann auch das einhellige Resümee des Vorstandes. Wer einen Blick in den Saal warf, der konnte kaum glauben, dass sich das Hobby des Briefmarkensammelns auf dem Rückmarsch befindet. "Wir wollen vor allem neue junge Mitglieder werben, denn auch wenn wir eine sehr rührige Jugendgruppe haben, so ist es mit dem Nachwuchs doch eher schwach bestellt", bedauerte Glahé.

"Wir haben uns mit Montabaur zur Jugendgruppe Westerwald zusammengeschlossen, und leider ist kein einziges Kind aus Neuwied dabei", so der Vorsitzende und Ausstellungsleiter weiter. Dabei machte das, was die jungen Sammler in Neuwied zeigten, durchaus Lust aufs Mitmachen. Am Jugendtisch lockten bunte Marken mit Comicfiguren, es gab viele Einsteigertipps und auch eine Kostprobe der erfolgreichen Jugendarbeit, die der Gruppe im vergangenen Jahr den dritten Platz bei den Deutschen Meisterschaften einbrachte.

"Rheinland-Pfalz in seiner Pracht" zeigten die Rahmen der Jugendgruppe, die in akribischer Arbeit unterschiedlichste Marken, Ganzsachen und Informationen den Städten und Regionen des Landes zugeordnet hatten. Dafür gab es verdienten Lohn: Eine Laienjury, bestehend aus dem Beigeordneten Jürgen Moritz, Ex-Oberbürgermeister Manfred Scherrer und Wolfgang Pierdolla, bewertete die Arbeit der jungen Leute hoch und vergab dafür den zweiten Platz unter insgesamt 13 Arbeiten. Am besten gefallen hatte den Juroren allerdings Wilfried Heckens Zusammenstellung von postalischen Preziosen rund um die Eisenbahn. Auf Platz drei setzten sie die Stellwände zum Neuwieder "Rasselstein" von Helmut Herprich.

Erlaubt ist, was gefällt

"Wir bieten ganz bewusst unsere Ausstellung als offene Klasse und nicht als Rangausstellung an", betonte Glahé und begründete: "In der Rangausstellung gibt es sehr viele Regeln, während in der offenen Klasse beinahe alles erlaubt ist. Hier geht es darum, was gefällt. Und das ist für Besucher oft interessanter."

Apropos interessant: Am 25. April werden die Briefmarkenfreunde wieder mit einem Sonderpostamt in der VHS vertreten sein. Dann geht es dort um "150 Jahre Kolping".    Andrea Niebergall

Thema 2010 war: 175 Jahre erste, deutsche Eisenbahn - auf Schienen aus Neuwied

Anmeldungen für 2011 können durchgeführt werden bei

Siegfried Löschke
Oberbieberer Str.52
56567 Neuwied – Torney
Privat: 02631/53222
EMail: siegfried.loeschke@congstar.de

zum Thema 2010:

Als am 1. Juli 1760 der wiedsche Graf Alexander und der Unternehmer H. W. Remy einen Pachtvertrag über die sechs Wiedhämmer des Grafen abschlossen, ahnte noch niemand welche Bedeutung dies für Neuwied und auch für die gesamt deutsche Eisenindustrie haben sollte.
Im Jahre 1817 übernimmt Christian Remy die Leitung der inzwischen von der Familie Remy gekauften Werke, die als Schwerpunkt gewalzte Bleche produzieren. In der Folge konzentriert er die vielfältigen Aktivitäten auf den Standort am Rasselstein, der dem Unternehmen später auch den Namen gibt.
1824 folgte ein weiterer Schritt in die neue, modernere Eisenproduktion. Remy baute auf dem Rasselstein einen so genannten „Puddel-Ofen“, den ersten seiner Art in Deutschland. Bei diesem Verfahren wurde dem flüssigen Roheisen durch Rühren mit langen Stangen Luftsauerstoff zu geführt und das Eisen so von überschüssigem Kohlenstoff befreit. Der Name war vom englischen Wort für rühren – to puddle – abgeleitet.
Die so gewonnen glühenden Eisenklumpen konnten anschließend zu beliebigen Profilen gewalzt werden.
Als sich 1835 die Pläne für die erste deutsche Eisenbahnlinie konkretisierten, suchte das Directorium der königlich-bayrischen Ludwigs-Eisenbahn in Nürnberg ein deutsches Werk, das im Stande war die benötigten Schienen zu walzen.
In Neuwied wurde man fündig. Der Rasselstein war durch seine Puddel- und Walzwerke als einziges Unternehmen in Deutschland in der Lage die Wünsche und Forderungen des Directoriums zu erfüllen.
Bis zu viereinhalb Meter lang waren die Schienen, die in eigenartig geformten Schienenschuhen auf quadratischen Sandsteinblöcken gelagert wurden.

1850 stieg Rasselstein wieder aus der Schienenproduktion aus. Die Konkurrenz an Ruhr und Saar war aufgrund von Standortvorteilen übermächtig geworden.

Neben Philatelietag und Großtauschtag mit überregionalen Händlern, wird eine Briefmarkenausstellung der „offenen Klasse“ präsentiert.

 

Der Verein wird zum Jubiläum wieder zwei Ganzsachen herausgeben. Das vor Ort befindliche Sonderpostamt wird den abgebildeten, zum Thema passenden Sonderstempel führen.
 
 
Die Ganzsachenbriefe zeigen die Abbildung des damaligen Schienenaufbaus (passend zum Sonderstempel) und eine Abbildung der ersten Lokomotive „des Adlers“.