9. März 2008

Grosstauschtag 2008
 

Alles drehte sich um Briefmarken                

 

Philatelie- und Großtauschtag im Amalie-Raiffeisen-Saal stieß auf großes Interesse - Sonderstempel zur Reichspogromnacht.

Freunde der gezackten Welt kamen gestern im Haus der Volkshochschule voll auf ihre Kosten. Hier fand der gut besuchte Philatelie- und Großtauschtag statt.

NEUWIED. Eine Pinzette, eine ruhige Hand und ein gutes Auge - mehr braucht es nicht, um das Briefmarkensammeln zu seinem Hobby zu machen. Wie populär diese Freizeitbeschäftigung auch in Zeiten des Internets ist, das bewies der Philatelie- und Großtauschtag der Briefmarkenfreunde Neuwied, der gestern für einen brechend vollen Amalie-Raiffeisen-Saal in der Volkshochschule sorgte.

"Wir sind wirklich froh, dass wir diesen Saal haben. Wir sind jetzt das dritte Jahr in der VHS, und das ist schon eine feine Sache", bedankte sich Vorsitzender Karl-Heinz Korn artig für die Räumlichkeiten, die die kleinen Marken perfekt in Szene setzten. Doch es lag ganz sicher nicht allein am Ambiente, dass es bereits vor Mittag richtig eng an den Tischen mit den Exponaten und rund um die Stellwände mit thematisch sortierten Ganzsachen wurde. "Wir haben sogar Besucher aus Dortmund und Düsseldorf hier", betonte Korn und zeigte sich erleichtert, dass Konkurrenzveranstaltungen wie die in Bad Camberg keine Auswirkungen zeigten.Mit großem Interesse stürzten sich die Besucher nicht nur auf das immense Angebot der Händler und Hobby-Anbieter an den Tischen, die ganze Sammlungen, sortiert in Alben, Kisten und auf Bögen, mitgebracht hatten und mit einem gemütlichen Stuhl zum längeren Stöbern einluden. Auch die Ausstellung von Ganzsachen, also Briefen, Postkarten und anderen postalischen Preziosen, kam bestens an.

Passend zum Thema des Tages "70 Jahre Reichspogromnacht", das sich auch auf dem Sonderstempel mit einer Abbildung der ehemaligen Neuwieder Synagoge wiederfindet, hatte Karl-Heinz Korn persönlich zwei Stellwände gestaltet. Er hatte die "Stolpersteine", die in der Stadt auf ehemalige Wohnstätten verschleppter jüdischer Bürger hinweisen, zum Anlass genommen, um alte und neue Bilder und Kommentare zusammenzustellen. Viel beachtet auch die KZ-Belege, die V. Krüger in einer beeindruckenden Kleinausstellung präsentierte. Original-Briefe in die und aus den Konzentrationslagern, adressiert an Blöcke und Baracken, legen ein menschliches und persönliches Zeugnis dieser Zeit ab. "Dabei ist das nur ein kleiner Ausschnitt. Zuhause hat er neben den Ganzsachen auch Schuhe, Mützen, KZ-Geld, Armbinden und vieles mehr gesammelt", lobte Korn die Arbeit seines Kollegen.

Während dieser eindrucksvolle Teil des Philatelietages vor allem auch ältere Besucher fesselte, kümmerten sich Peter Salz und Enrico Tampe um den Nachwuchs in Sachen Briefmarken. Und der bekam in Neuwied gleich alle Hände voll zu tun, wollen sich die Neuwieder Nachwuchssammler doch an einem Weltrekordversuch der Briefmarkenjugend in Weiden beteiligen. Da wird es am 4. Oktober darum gehen, das dortige Postamt in bester Tradition des Verpackungskünstlers Christo komplett mit Briefmarken zu verpacken. 2500 bis 3000 Briefmarken braucht es je Quadratmeter, da ist es verständlich, dass die Neuwieder schon seit Wochen fleißig DIN-A3-Bögen mit den kleinen Marken bekleben. Und wer gestern in die VHS kam, der durfte selbst mit Pinsel, Bastelleim und viel Fingerspitzengefühl ran. "Wir schaffen heute vielleicht rund zehn Bögen", schätzte Salz, der selbst mit seinen Kindern fleißig Marken klebte.

Jedes Kind, das half, durfte sich über ein Überraschungsei und die Gewissheit als Lohn freuen, dass es mit der Arbeit Teil eines Weltrekordes sein wird. "Denn ich bin mir sicher: Bis Oktober haben wir mehr als doppelt so viele Marken, wie wir brauchen", konstatierte Salz. Die fünfjährige Annabel Tampe jedenfalls hat ihr Soll erfüllt. Fleißig klaubt sie Marke um Marke aus der großen Wühlkiste, schwingt den Leimpinsel und vollendet mit roten Wangen und glänzenden Augen einen großen Markenbogen.

   Andrea Niebergall / Rheinzeitung 10.03.2008

 

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