8. März 2009

 

 Am 08. März 2009 fand unser Grosstauschtag in der VHS-Neuwied statt

 

                  Eisenbahn-Briefmarken sind der Renner            

 

 

Philatelie- und Großtauschtag in den Räumen der Volkshochschule - Sonderstempel beliebt

NEUWIED. Traditionen haben im Rheinland Tradition. Und so wundert es kaum, dass die Briefmarkenfreunde Neuwied nach dem Tod ihres Vorsitzenden Karl-Heinz Korn dessen Gepflogenheiten weiterführen und auch zum jüngsten Philatelietag wieder mit einem lokal angehauchten Thema lockten. "100 Jahre elektrische Kreisbahn Neuwied - Engers - Gladbach" standen gestern im Amalie-Raiffeisen-Saal der Volkshochschule im Zentrum des Interesses. Und das erwies sich als enorm, konnten sich doch viele Zeitzeugen noch genau an die Straßenbahnen in den Neuwieder Gassen erinnern. Die Straßenbahn fuhr noch bis 1950 auf dem Neuwieder Pflaster. Von 1901 bis 1950 beförderte die Bahn insgesamt mehr als 60 Millionen Fahrgäste. Auch Post transportierte die Straßenbahn bis Dezember 1944. Für die bearbeiteten Postsendungen gab es einen eigenen Stempel.

Den hatten die Briefmarkenfreunde natürlich auch beim Großtauschtag in ihrem Sonderpostamt im Angebot, ebenso wie wunderschön gestaltete Ganzsachen. Der Nachdruck einer Pluskarte zeigte auf humoristische Weise die Einfahrt der Straßenbahn 1901 in Heddesdorf, ein Plusbrief erinnerte an den Zug 21 der Straßenbahn in der Heddesdorfer Straße. "Dieses Thema hat sich als absoluter Renner rausgestellt", freute sich der neue Vorsitzende Jürgen Glahé über viele Rückmeldungen. "Wir hatten vor allem auch sehr viele Anfragen aus Ostdeutschland, wo das Sammeln von Schienenfahrzeugen und elektrischen Bahnen sehr verbreitet ist."

Auch wenn die Mitgliederzahlen der Briefmarkenfreunde auf dem Rückmarsch sind - von einstmals mehr als 200 auf nunmehr 96 - qualitativ brauchen sich die Neuwieder nicht zu verstecken. Glahé, der schon seit 1967 im Verein ist, seit 1981 im Vorstand mitarbeitet und schon jahrelang die Großtauschtage als Ausstellungsleiter begleitete, hatte auch seinen ersten Philatelietag als Vorsitzender fest im Griff. 40 Rahmen, davon zehn vom Nachwuchs aus der Jugendgruppe erstellt, bewarben sich in der offenen Gruppe um den Sieg, der schließlich an fünf Rahmen mit Schiffspost der kaiserlichen Marine, zusammengestellt von Sammlerfreund Happ, ging.

Doch die Briefmarkenfreunde verließen sich nicht allein auf gute Traditionen, sie wagten auch Neues: So hattet Jugendleiter Enrico Tampe nicht nur die neun Kinder und Jugendlichen der Jugendgruppe Neuwied-Montabaur mobilisiert, er hatte auch Kontakte nach Österreich geknüpft, um über Grenzen hinweg Briefmarken zum Anlass einer Partnerschaft zu machen. Und so warb im VHS-Saal ein Rahmen des BSV Grenzland für die neue Freundschaft.

Eine Freundschaft der besonderen Art verbindet den Schirmherrn des Großtauschtags mit dem Thema Eisenbahnen & Co. Der Beigeordnete der Stadt Neuwied, Jürgen Moritz, erwies sich in einer Veranstaltung im Vorfeld dieses Tauschtags als wahrer Experte des Fachgebiets und wurde somit von den Markenfreunden in der VHS besonders herzlich empfangen. "Ein professioneller Kenner der Materie", urteilte Jürgen Glahé respektvoll und berichtet von angeregten Diskussionen und vielen Erinnerungen, die das Thema bei den Besuchern auslöste.

"Das ist ja auch Sinn und Zweck unseres Tuns: Wir wollen bestimmte Dinge nicht einfach in Vergessenheit geraten lassen. Deshalb suchen wir uns auch stets ein Thema mit lokalem Bezug." Und während im Saal noch angeregt über Straßenbahnen & Co. diskutiert wurde, steckte der Vorstand schon mal die Köpfe zusammen, um Ideen fürs nächste Jahr und sogar für 2012 zu sammeln. "In manchen Jahren bieten sich bestimmte Themen einfach an, manchmal ist es auch schwieriger, nach so vielen Jahren noch etwas Neues zu finden", so die Herren, die bei den Briefmarkenfreunden Neuwied für die Traditionen zuständig sind.

   Andrea Niebergall / Rheinzeitung